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Immanuel Haus Molkenberg als Ort der Stabilität
Feste Tagesstrukturen, individuelle Hilfeangebote, sinnvolle Beschäftigungen und ein wertschätzendes Miteinander stehen im Mittelpunkt, erklärt Einrichtungsleitung Gesina Schwieger im Interview.
Haus Molkenberg liegt idyllisch im ländlichen Raum, umgeben von Feldern, Pferdekoppeln und einem Bison-Areal. Die gepflegte Anlage mit parkähnlichem Charakter bietet weit mehr als nur Wohnraum: Sie ist für viele Menschen ein sicherer Ort, der ihnen Stabilität, Würde und neue Lebensperspektiven schenkt.
Frau Schwieger, was zeichnet Haus Molkenberg aus?
Haus Molkenberg ist ein suchtmittelfreier, geschützter Raum für Menschen mit Alkoholabhängigkeit und anderen Suchterkrankungen. Viele unserer Bewohnerinnen und Bewohner haben lange Therapie- und Rehawege hinter sich. Hier finden sie ein vorrübergehendes oder auch dauerhaftes Zuhause, in dem Abstinenz Voraussetzung ist und zugleich Sicherheit, Struktur und Geborgenheit im Mittelpunkt stehen.
Wie ist das Wohnen bei Ihnen organisiert?
In der besonderen Wohnform leben unsere Bewohnenden in vier Wohngruppen mit jeweils sechs bis neun Personen. Jede Gruppe verfügt über eine Wohnküche, Wohn- und Essbereiche sowie Hauswirtschaftsräume und mehrere Bäder. Alle haben ein schönes möbliertes Einzelzimmer. Zusätzlich bieten wir ambulante Wohnformen an: Neun Einraumwohnungen in einem Trägerobjekt in Molkenberg und weitere fünf Zweiraumwohnungen in einem Mietobjekt direkt in Fürstenwalde in einer Trägereigenen Immobilie. Ambulant erbringen wir nicht nur in diesen Trägerwohnungen, sondern auch außerhalb dieser Assistenzleistungen zur sozialen Teilhabe für Menschen mit Suchterkrankungen und psychischen Erkrankungen.
Welche Unterstützung erhalten die Bewohnerinnen und Bewohner?
Unsere Assistenzleistungen sind sehr vielfältig und individuell. Klienten im ambulanten Bereich leben weitgehend selbständig und erhalten nur wenige Stunden im Monat Unterstützung, für Bewohnende in der Wohnform wird eine Assistenz rund um die Uhr sichergestellt. Die strukturierte Gestaltung des Tages und die soziale Teilhabe stehen im Vordergrund. Zum Beispiel die Unterstützung bei allen Tätigkeiten im Alltag, Einkaufen, Kochen, Wäschepflege, Freizeit- und Urlaubsaktivitäten, sinngebende Beschäftigung z. B. in unser Kreativ- oder Holzwerkstatt sowie das Knüpfen positiver, sozialer Kontakte. All das und noch viel mehr steht im Vordergrund, mit dem großen Ziel abstinent, suchtmittelfrei zu leben, sich gesundheitlich zu stabilisieren und die bestmögliche Eigenständigkeit erreichen. Wichtig sind dabei die verbindliche Tagesstrukturen, klare Regeln und eine wertschätzende Begleitung.
Welche Rolle spielen Beschäftigung und Alltagstraining?
Eine sehr große. Alle Bewohnendenden übernehmen eine kleine, feste Aufgabe am Tag im Rahmen unserer Beschäftigungstherapie. Klienten im ambulanten Bereich arbeiten – teils regulär, teils ehrenamtlich oder in Werkstätten für Menschen mit Behinderung. Andere nehmen an kreativen oder handwerklichen Angeboten teil, etwa in unserer Kreativwerkstatt. Das schafft Erfolgserlebnisse, stärkt das Selbstwertgefühl und fördert die Selbstwirksamkeit.
Haus Molkenberg richtet sich auch an Menschen mit besonderen Bedürfnissen?
Ja. Viele unserer Bewohnenden haben multiple chronische Erkrankungen entwickelt in Folge des jahrelanges Alkoholkonsums, sind z.B. von kognitiven Beeinträchtigungen betroffen wie Erinnerungslücken bis hin zu Demenzformen, ausgelöst durch langjährigen Suchtmittelmissbrauch. Unsere Angebote – von kognitivem Training über Gymnastik und anderen Bewegungsangeboten – sind darauf abgestimmt. Auch tägliche Spaziergänge gehören fest dazu, Fahrradtraining, Schwimmen oder auch Entspannungstechniken.
Wie ist die Einrichtung in das Umfeld eingebunden?
Wir sind im Dorfleben verankert und auch Mitglied im Molkenberger Förderverein. Dort helfen unsere Bewohnenden bei Festen, backen Kuchen oder gehen zu Vereinssitzungen. Wir laden auch die Dorfgemeinschaft in unser Haus ein, z. B. beim Weihnachtsmarkt. Das Gefühl, dazuzugehören, ist enorm wichtig.
Was bedeutet Ihnen persönlich Ihre Arbeit hier?
Sehr viel. Ich arbeite seit fast sechs Jahren als Einrichtungsleitung hier und bin unglaublich stolz auf mein Team. Unsere Mitarbeitenden sind hoch engagiert, einige schon seit Jahrzehnten im Haus – erst kürzlich feierte ein Kollege sein 30-jähriges Dienstjubiläum. Die Beziehung zwischen Mitarbeitenden und Bewohnenden ist geprägt von Wertschätzung, Offenheit und Kommunikation auf Augenhöhe. Unser Leitbild ist spürbar: Wir stellen den Menschen in den Mittelpunkt.
Gibt es besondere Momente im Jahr?
Wir haben viele Highlights im Jahr, feiern alle Feste und Feierlichkeiten auf den Feiertag genau. Die Silvesterpartys sind legendär, Urlaubsreisen oder auch das jährliche Sommerfest. Ein ganz besonderes Ereignis ist unser jährlicher Heimgeburtstag. Für viele Bewohnende ist das ein emotionaler Tag – er erinnert sie an den Ort, der sie aufgefangen und ihnen zum Teil buchstäblich das Leben gerettet hat. Ohne diese Wohnform hätten sie es nicht geschafft abstinent zu leben!
Haus Molkenberg steht damit beispielhaft für gelingende Teilhabe und Eingliederungshilfe: ein Ort der Fürsorge, der Struktur und der Hoffnung – mitten im Grünen und mitten im Leben.