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Entwicklung und Perspektiven im Immanuel Suchthilfeverbund Guben: Marion Swietza im Gespräch

Der Immanuel Suchthilfeverbund Guben ist seit vielen Jahren eine feste Säule in der psychosozialen Versorgung der Region. Seit Januar 2015 leitet Marion Swietza die „Besondere Wohnform“ sowie den ambulanten Bereich. Unter ihrer Führung wurde das Angebot stetig erweitert – von der Suchtberatung über die ambulante Nachsorge bis hin zu innovativen Präventionsprojekten. Ein Gespräch über Meilensteine, tierische Brückenbauer und die Kraft der Veränderung.

Frau Swietza, erinnern Sie sich noch an Ihren Start im Jahr 2014?

Sehr gut sogar. Ich kam damals nach 21 Jahren Berufserfahrung in der beruflichen Rehabilitation und Erwachsenenbildung und in der Lebenshilfe Hand in Hand Werkstatt in Cottbus zur Immanuel Diakonie. Mein Vorstellungsgespräch beim damaligen Geschäftsführer Herbert Blum war außergewöhnlich: Es war weniger ein klassisches Abfragen von Fakten als vielmehr ein zweistündiger, intensiver Austausch auf Augenhöhe darüber, ob wir menschlich und fachlich zusammenpassen. Nach einem zweiten Gespräch in Berlin bei Konzerngeschäftsführer Udo Schmidt war klar: Das ist der richtige Weg.

Wenn die Bewohner selbst mitgestalten, identifizieren sie sich viel stärker mit ihrem Zuhause.

Marion Swietza, Immanuel Suchthilfeverbund Guben

Was waren Ihre ersten Schwerpunkte nach der Übernahme der Leitung?

Zuerst ging es um das gegenseitige Kennenlernen von Team und Bewohnenden. Wir haben geschaut, was bewährt ist und wo Anpassungen an aktuelle Bedarfe nötig sind. Ein großer Meilenstein war die bauliche Modernisierung. Besonders stolz bin ich darauf, dass wir das Haus gemeinsam mit den Bewohnenden zur rauchfreien Zone umgestaltet haben. Als Ausgleich schufen wir einen gemütlichen Raucherpavillon im Garten. Die frei gewordenen Räume im Haus verwandelten sich in helle Sport- und Freizeiträume sowie einen einladenden Wintergarten.

Der Garten scheint ohnehin eine zentrale Rolle zu spielen?

Absolut. Unser Grundstück ist das Herzstück der arbeits- und beschäftigungstherapeutischen Arbeit. Es funktioniert wie ein großer Haushalt, in dem jeder eine Aufgabe findet. Wir ernten Obst und Sträucher für unseren Küchenplan und haben altersgerechte Hochbeete angelegt. Mit einem kleinen Koiteich und einer „Chillecke“ haben wir Orte der Ruhe geschaffen. Wenn die Bewohner selbst mitgestalten, identifizieren sie sich viel stärker mit ihrem Zuhause.

Ein Markenzeichen Ihrer Arbeit in Guben ist die tiergestützte Therapie. Warum sind Tiere hier so wichtig?

Tiere sind fantastische Brückenbauer. Sie wirken deeskalierend, wecken positive Erinnerungen und helfen, Verantwortung zu übernehmen. Aktuell bereichern Hühner, Kaninchen, Wachteln, Wellensittiche, Katzen und Fische unseren Alltag. Unsere Bewohner kümmern sich liebevoll um sie – und das tägliche frische Frühstücksei ist ein schöner Nebeneffekt dieser wertvollen therapeutischen Fürsorge.

Neben dem Wohnen bieten Sie eine breite Palette an Aktivitäten an. Was gehört dazu?

Struktur gibt Halt. In unserer besonderen Wohnform für chronisch mehrfachgeschädigte Abhängigkeitskranke (CMA) sind verlässliche Abläufe essenziell. Wir bieten therapeutische Angebote wie NADA-Ohrakupunktur, autogenes Training und Aromatherapie an. Aber auch Lebensfreude und Teilhabe kommen nicht zu kurz: Ob Töpfern, Bowling, Tischtennis, Besuche in der Salzgrotte oder gemeinsame Theaterbesuche und Urlaube – all das stabilisiert unsere Bewohner.

Zu sehen, wie sich Menschen Schritt für Schritt verändern – das ist es, was mir jeden Tag Freude bereitet.

Marion Swietza, Immanuel Suchthilfeverbund Guben

Ohne Vernetzung geht es heute kaum noch. Wie ist der Suchthilfeverbund regional eingebunden?

Wir sind tief verwurzelt – sowohl im Diakonischen Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz als auch im Netzwerk Suchtberatung des Landkreises Spree-Neiße. Die Zusammenarbeit mit Fachärzten, Kliniken, Ämtern und Schulen ist intensiv. Nur durch dieses starke Netzwerk können wir eine ganzheitliche Begleitung garantieren – von der ersten Beratung bis zur sozialen Wiedereingliederung.

Ein besonderes Augenmerk liegt mittlerweile auch auf der Prävention. Was hat es mit dem „Escape Room“ auf sich?

Prävention muss Spaß machen, um nachhaltig zu wirken. Unser „Escape Room“ ist ein interaktives Teamevent, bei dem Schülerinnen und Schüler sowie Teams Rätsel zum Thema Sucht lösen müssen, um den Raum zu verlassen. Dieses innovative Format zur Suchtprävention wurde vom  Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg, Dietmar Woidke gefördert. Es ist praxisnah, spannend und bleibt im Gedächtnis.

Zum Abschluss: Was treibt Sie persönlich bei dieser Arbeit an?

Mein Motto lautet: „Finde, was wirkt!“ In der Arbeit mit Menschen gibt es kein Standardrezept. Man muss empathisch sein, Dinge ausprobieren und den Menschen stets auf Augenhöhe begegnen. Ich bin eine sehr lösungsorientierte Person. Es gibt einen schönen Satz: „Reden über Probleme schafft Probleme, reden über Lösungen schafft Lösungen.“ Gemeinsam mit meinem Team diese Lösungen zu erarbeiten und zu sehen, wie sich Menschen Schritt für Schritt verändern – das ist es, was mir jeden Tag Freude bereitet.

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